Seit Menschen gedenken leiden ebenjene an der Influenza.
Die Familie der Influenzaviren hat sich zur Verbreitung und Erhaltung ihre Art den Sapiens ausgesucht, aus Gründen, die allerletzten Endes wohl nur das allmächtige Schöpfungsorchester beantworten kann. Wir leben und sterben mit der Influenza seit Jahrtausenden.

Nun im Jahre 2020 scheint diese lange Beziehung zu einem Ende zu kommen. In den Grippestatistiken herrscht gähnende Lehre und man muss schon eine Lupe bemühen, um im Balkendiagramm die winzige Erhebung vom Strich unterscheiden zu können, auf dem sie liegt und die Grippetoten und/oder Infizierten markiert.
Wenn man im Herbst diesen Jahres niest, dann ist es nicht mehr die Grippe sondern Corona.
Trotzdem lassen sich Menschen noch gegen die Grippe (genau genommen gegen die Erreger des vorangegangener Jahres, denn Immunologie ist auch ein Stückchen Hellseherei – Mutation oder Nicht Mutation, das ist hier die Frage) impfen, was – wie es in einer Studie unlängst festgestellt wurde (vgl. Artikel) – in vermehrten Fällen zu Corona-positiven Testergebnissen führen kann.

Alle Wege führen nach Covid, gewissermaßen.

Ohnehin ist SARS-CoV-2 zum Generalheilmittel für vieles geworden – ein Wunderpartikel oder ein Wunderpartikelbruchstück, das man glücklicherweise mit jenem nicht validierten Dr.-Drosten-Test nachzuweisen vermag. So kann denn jeder mit ungefährer Sicherheit (abzüglich der immanenten Fehlerquote des Test, dem Geschluder in den überlasteten und nicht für Massentestungen ausgelegten Laboren und den daraus resultierenden Verunreinigungen von Testreihen, die zu sagenhaft viel falsch positiven Ergebnissen führen) von sich sagen, ob er in den Segen jenes Wundermittels gekommen ist, das es nach jüngsten Erhebungen tatsächlich vermag, die Grippe, unseren Jahrtausende alten Begleiter und Schicksalsbereiter in der kalten Jahreszeit, auszumerzen.
Einfach so, nicht, weil da was umgelabelt wurde.
Früher hieß ein positiver Test auf das Corona-Virus bei Katzen Fips, heute Corona, aber das ist keine Umlabelung, sondern da wird einfach mit der Zeit gegangen.
SARS-COV-2 ist jedoch nicht nur dahingehend ein Multitalent. Coroan kann weit mehr.
Beispielsweise befreit es uns von der aufwühlenden Notwendigkeit des Konsums, jener fast täglichen Anstrengung, entscheiden zu müssen, was, ob und wie viel ich von irgendwelchen Produkten gegen Geld (also Lebenszeit) eintausche. Im britischen Welsch verursachte das Virus Teilsperrungen in Supermärkten. Gewisse Produkte, die nicht zum unmittelbaren Überleben notwendig seien, werden in den Regalen blockiert, darunter Bücher.
Endlich gelangen wir durch solche Maßnahmen zu jener Vereinfachung des Lebens, nach der wir uns so sehnen in unserer sich stets beschleunigenden, über-informierten, hektischen Welt. Corona statt Burnout heißt die Devise.

Und wer will schon lesen, wenn es Netflix gibt, wo man Menschen beim Lesen zuschauen kann? Doch dies sind in der Tat nur Randsymthome bei der Infektion mit SARS-CoV-2.

Seine Hauptleistung liegt im Bereich der Zurückstutzung von Individualität und Entfaltung, die maßgeblich in die Klimakrise geführt haben. Das Umgeben der eigenen ungeheuer einzigartigen Persönlichkeit mit alle möglichen Dingen: Make-Up, Schmuck, Smartphones, Uhren, Accessoires, Dingeldongelklimbims, Geschirrservice, IKEA-Krempel, Wohnungsausstattung, neue Einbauküchen im 4-Jahres-Rhythmus, Leasingwagen jedes Jahr austauschen, die perfekte Wimperntusche, Modelleisenbahnen und der ureigene Dress-Code made by Adidas-Gucci – all das, diese als normal hingenommene Selbstverherrlichung kommt mit Corona zu einem schleichenden doch absehbaren Ende.
Urlaub auf den Fidschi-Inseln? Vorbei!
Urlaub an der Ostsee? Nur wenn Söder sein Okay gibt.
Urlaub auf dem Balkon. Gerne. Aber nur mit Mitgliedern des eigenen Hausstandes und hier und da mit einem Überraschungsgast – der Bundespolizei zur Überprüfung der Einhaltung aller überlebensnotwendigen Regeln.

Und mal ehrlich! Urlaub in Übersee war doch primär anstrengend. Die günstigsten Tickets im Internet finden, klimazonengerechtes Packen, Flughafenkontrollen, Zeitverschiebungsbiorythmuskollaps, nervige Sprachhürden, dann das unerquickliche Gefühl, wenn man nach zwei Wochen endlich auf dem implementierten Dauerbelastungszustand raugekommen war, muss man schon wieder zurück, dann das Fotos sortieren und anschauen, hochladen, FB-Checks alle Stunde, um die Likes vom Traumstrand abzufeiern.
Unter dem Strich war das doch Stress.
Bis jetzt. Bis Corona.

Home stay home.

So geht man einfach am Morgen mit dem frisch aufgebrühten Kaffee entspannt auf den Balkon, winkt seinen Nachbarn, und bestaunt das bunte Unterhaltungsprogramm der gegenüberliegenden Häuserwand mit den Gardinen und Rollos und hier und da mal einem etwas exhibitionistisch angehauchten Nachbar, der einem ohne Sichtschutz Blick auf das IKEA-Wohnzimmer mit dem riesigen Flachbildschirm bietet, auf dem bunte Bilder wackeln.

Das ist heilsam.

Die moderne Neurologie weiß: Das Gehirn will stets in den Energiesparzustand, darum entwickeln wir Gewohnheiten und Routinen, deshalb fällt Umdenken schwer, auch das Loslassen altvertrauter Denkweisen und Ansicht. Das Gehirn ist faul, es mag sich nicht anstrengen aber das Wohlfühl-Wohlstandsleben in der Industrienation ist grundlegend anstrengend; Arbeit, freie Informationen, Karriere, Hobbys, Freizeit, Familie, Selbstverwirklichung – ein Horror für den grauen Glibber in unseren Köpfen.

Corona lässt uns endlich durchatmen, der Lockdown ist die Legitimation zum energiesparenden Lotterdusel ohne Zwänge und Anstrengungen. Laufend Freunde treffen und auf Partys gehen, wer will das? Die ewig alten Opern anhören. Wozu denn eigentlich? Wird sie durch mehrmaliges Anhören besser? Oder stimuliert sie das Immunsystem, wenn live gegeigt wird anstatt von Platte.

Diese gesundheitsrelevanten Fragen müssen endlich mal gestellt werden; und das haben Regierungen auf der ganzen Welt getan und eine Antwort gefunden – Corona.

Mit SARS-CoV-2 können wir den Wahnsinn des Viel-Beschäftigt-Seins endlich hinter uns lassen. Wie viele Menschen beklagten sich doch bislang: Mir fehlt die Zeit; dafür habe ich keine Zeit.
Corona – erlöse uns vom steten Tun. Nun haben wir Zeit, um nichts zu tun. Endlich einfach sein, zuhause sein.
Endlich haben wir gewonnen, die Grippe ist weg, die wirren des Immunsystems sind überwunden, Corona bleibt. Nur Corona zählt, vergiss den Krebs. Einmal positiv immer positiv. Auf eine 19 folgt stets ein 20 und auf die folgt die 21, das wusste schon Abraham. Gesundbleiben ist alles, Corona ist der fundamentale glückselige Endsieg über die Hektik.

Danke Cori und fröhlichen zweiten Lockdown.

Von Limarå Hèymdai

Autorin, Künstlerin & Systemkritikerin - www.Limara.net

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