Ein Sonderausschuss des Bildungsministeriums hat auf Druck der Vereinigung deutscher Mathelehrer, VDM, bekanntgegeben, dass die Lehrpläne ab dem nächsten Schuljahr geändert werden. Nach dem neuen Modell sollen Prozentrechnung, Stochastik und Integralrechnung aus dem Mathematikunterricht gestrichen werden.

„Es führt ja ohnehin zu nichts!“ beklagt sich Anke Aberlang, die Sprecherin des VDM. „Wir haben das hochrechnet: Wenn man von einem durchschnittlichen Alter von achtzig Jahren bei den Deutschen ausgeht, und eine durchschnittliche Stundenanzahl von 240 Stunden zu Grunde legt, in denen diese Teilbereiche der Mathematik vermittelt werden, dann kommen wir zu dem Ergebnis, dass Männer sowie Frauen 0,034 Prozent der Lebenszeit mit dem Erlernen von Dingen zubringen, die ihnen später praktisch nichts nützen.“

Der VDM betont, dass ihm der Schritt zu solch drastischen Forderungen nicht leicht gefallen sei, aber bei der zu beobachtenden Entwicklung gebe es leider keine Risiko- oder Problemgruppe, die man gesondert behandeln oder isolieren könnte. Das Aussetzen von spezifischen mathematischen Fähigkeiten zum Erfassen von realen Zusammenhängen sei bei rund 90 % der Bevölkerung in allen Altersgruppen aus nicht erkennbaren – und somit auch nicht behandelbaren Gründen – drastisch gestört. Nicht beachtet wurden die Null- bis Siebenjährigen. Doch selbst dann wäre das Bild kaum ein anderes.

„Wir müssen Maßnahmen für die Zukunft treffen“, erklärt die Sprecherin weiter. „Denn flächendeckende Maßnahmen wie Nachhilfe sind nicht finanzierbar, das schränkt ja auch das Recht auf frei Selbstverwirklichung zu sehr ein. Stellen Sie sich vor, Sie sind Anfang sechzig, konnten Mathe noch nie leiden und müssen nun staatlich verordnet Nachhilfeunterricht nehmen?! Nein, das geht nun wirklch nicht!“

Der VDM hat nach seinem drastischen Vorstoß ins Bildungssystem der Bundesrepublik nun auch Kontakt zum Interessenverband PHAM, Professoren höherer angewandter Mathematik, aufgenommen, und plädiert dafür, dass in den relevanten Studienfächern der Statistikanteil auf ein Minimum eingekürzt werden solle. In Zukunft würden dann in ein oder zwei Vorlesungen die entsprechenden Internetseiten des RKI und des Statistischen Bundesamtes sowie deren sachgerechte Benutzung vermittelt.

Das reiche für die Bewältigung zeitaktueller Themen völlig aus.
“Sie sehen ja, welches Durcheinander gelernte Statistiker in den generellen Konsens der Gesundheitspolitik bringen“, verteidigt Anke Aberlang den Schritt des VDM. „Man darf nicht riskieren, dass Menschen, die komplexen Aussagen zu Zahlen und deren Verhältnis zur Realität und der Volksgesundheit machen, unbedarfte und weniger rechenwütige Menschen in diesem Land verunsichern oder gar gefährden.“

Der PHAM steht dem Vorschlag der VDM durchaus wohlwollend gegenüber. In einem offenen Brief an die Dachorganisation deutscher Universitäten kündigte er an, erste Erhebungen und Befragungen zur Lage durchführen zu wollen. Das Ende der Statistik solle schließlich auf validen Zahlen stehen, so heißt es in dem Brief.

Ob dies allerdings eine Verkürzung der Studienzeit oder doch nur längere Pausen während eines Lerntages bedeute, geht aus dem Schreiben nicht hervor.

Von Limarå Hèymdai

Autorin, Künstlerin & Systemkritikerin - www.Limara.net

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