Während dieser Tage die deutsche Republik von Hysterie, Hamsterkäufen und zunehmenden Ausgangssperren in Atem gehalten wird, bietet sich in der beschaulichen Gemeinde Hinterkirchen-Glauberstedt ein gänzlich anderes Bild.


Einmal am Tag versammeln sich die Einwohner des 580-Seelen-Ortes und eine große Menge angereister Pilger zur gemeinsamen Andacht auf dem Platz vor dem kürzlich sanierten Rathaus und verfolgen in stiller Ehrfurcht die Nachrichten auf dem großen Flachbildschirm, den ein ortsansässiger HiFi-Händler eigens zu diesem Zwecke gespendet hat. Das Wappen der Stadt wurde abgehängt und durch einen gelben Kunststoffkreis mit Noppen ersetzt, der an einen Schwimmring erinnert. Mit zum Teil tränenfeuchten Augen lauschen die Anhänger der Corona den neuesten Durchsagen zum Fortschreiten der Bekehrung der deutschen Ungläubigen.

Versammlungsplatz


„Ich hatte nicht geglaubt, einer solch weltverändernden Offenbarung noch zu meinen Lebzeiten beizuwohnen.“ erklärt Rainer B. (69), Organisator der Andachten voll tiefer Rührung. Er war es gewesen, der vor Wochen, als die ersten Schreckensmeldungen zum Auftreten von Corona aus China kamen, sofort eine tiefere Bedeutung hinter den Ereignissen in Fernost vermutete. Seinen Aussagen zufolge hat eine neue Religion immer mit Problemen zu kämpfen, ganz wie es nun auch bei der Corona ist – belächelt, verleugnet, bekämpft. Doch dies vermag die Corona nicht bei ihrem Siegeszug über den Globus aufzuhalten, so Rainer B.
„Sie hat wahre Wunder in der kurzen Zeit ihres Erscheinens vollbracht“, erfreut sich Katja K. (58), Nachbarin von Rainer B., die für die Auswahl der medialen Programmpunkte während einer Messe zuständig ist. „Die Klimakrise wird sie abwenden, da niemand mehr fliegt. Politische Versäumnisse im Gesundheits- und Rentenwesen werden offengelegt, das korrupte kapitalistische Wirtschaftssystem liegt darnieder, Kinder können endlich wieder den lieben langen Tag spielen, statt in der Schule gemobbt zu werden: Corona bringt uns die Erlösung von all dem Elend.“
Wie die meisten der Anwesenden empfindet Frau K. ihre nicht mitfühlende Haltung den Todesopfern gegenüber nicht als befremdlich, sondern vielmehr sieht sie darin einen weiteren Beweis dafür, dass die Corona real ist. Die kritischen Stimmen aus Expertenkreisen sind in den Augen von Katja K. nichts als Abwehrmechanismen verbohrter Atheisten und uneinsichtiger Experten.
„Aber die Wahrheit lässt sich nicht aufhalten!“ erklärt die ehemalige Studienrätin. „Das sieht man doch auch daran, wie viele wichtige Entscheidungsträger auf der Welt mittlerweile bekehrt sind, nachdem sie anfänglich gezweifelt haben.“

Rainer B. verweist auf das Ehepaar Janich aus der Nachbargemeinde, welches durch Corona erlöst wurde. Demzufolge wollte Herr Janich immer schon lieber zu Hause auf seiner Couch bleiben, er mochte seinen Job überhaupt nicht und seine Frau war schrecklich unzufrieden in der Ehe, da ihr Mann so wenig zu Hause war, wegen der vielen Überstunden. All diese Qual und Marter hat Corona von ihnen genommen, von einem Tag auf den nächsten waren alle Probleme gelöst und die beiden leben nun glücklich im Paradies. Skeptischen Nachfragen gegenüber reagiert Rainer B. gereizt: „Ich verstehe nicht, wie man nicht an die Corona glauben kann, es wird doch auf allen Kanälen verkündet, Politik, Medien und Medizin sind sich einig, dass es sich um ein reales Phänomen handelt. Die Corona wird früher oder später die Mehrheit von uns erfassen, das sagt sogar die Wissenschaft! Und es ist sicher auch kein Zufall, dass sie nach dem Strahlenkranz der Sonne benannt ist, denn dieser sieht ja aus wie ein Heiligenschein.“
Für weitere Fragen steht er an diesem Nachmittag leider nicht zur Verfügung, denn er hat noch einem wichtigen Termin mit Dr. Georg Bätzing, dem Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz und Vizekanzler Olaf Scholz zum Thema der Umbenennung Deutschlands in Coronien.

Von Limarå Hèymdai

Autorin, Künstlerin & Systemkritikerin - www.Limara.net

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